Am 01.10.2001 erwarb ich bei der Fa. Sunel in Effretikon das Cityel Nr 3127 Jahrgang 1992 Version 50 Km/h ab MFK. Auf dem Tacho wurde bei der Fahrzeugübergabe 17'300 Km abgelesen. Es handelt sich um ein E-Mobil mit geschlossener Haube. Das Dachfenster kann geöffnet- oder ganz herausgenommen werden. An den Aussenspiegeln kann je eine Klappe zur besseren Luftzirkulation geöffnet werden. Damals hiess das Cityel noch Miniel.
Beatrice im Cityel. Die Aufnahme entstand bei Sturm und Wind. Bei geschlossener Haube und Luftklappe ist im Innern nur ein leichter Zug zu spüren. Trotzdem wird es im Winter bissig kalt.
Beim Cityel handelt es sich um ein einplätziges, dreirädriges Elektrofahrzeug, welches von einem 2.5 KW Motor angetrieben wird. Kurzzeitig kann der Antrieb jedoch weit über 5 KW belastet werden. Den benötigten Strom bezieht das Fahrzeug aus drei 12 Volt Blei-Traktionsbatterien (Yuasa/CB90) in Serie geschaltet. Ich lies von der Fa. Sunel im Gepäckraum noch zwei zusätzliche Batteriezellen einbauen. Also verfügte mein Fahrzeug über eine Spannung von 40 Volt und 90 A/h C5.
Chef mit Hund. Das Plätzchen hinter dem Fahrer ist immer für Lupo reserviert. Beachten sie die schöne Teppichaus-stattung des Fahrzeuges.
Über mehr Kenntnisse verfügte ich zur damaligen Zeit noch nicht über das Fahrzeug. Bei meiner ersten Fahrt von Effretikon nach Thalwil, durfte ich bereits die erste- (bis jetzt auch letzte) Bekanntschaft mit einem Gesetzeshüter auf Motorrad erleben. Er stoppte mich unmittelbar vor dem Milchbuck-Tunnel und wies mich auf die grüne Strassenführung hin, welche mit dem el nicht befahren werden dürfe. Nach kurzer Diskussion, (ist die Strecke jetzt grün oder nicht), schleuste mich der äusserst nette Polizist mit seinem Motorrad wieder in die Kolonne ein und begleitete mich bis ans Ende des Tunnels.
Was mir sofort auffiel, war die magere Leistung am Berg. Mit zunehmendem Wintereinbruch und damit verbundenen kalten Temperaturen, brach die Leistung dann noch mehr ein. Bergfahrten wurden dann echt zum Drama. Ich wurde auch schon von Radfahrern überholt. Geradeaus wurden Geschwindigkeiten von gut 55 Km/h erreicht, was mir als genügend erschien. Ab Temperaturen <10°C friert man dann auch ganz ordentlich im Fahrzeug, da die Heizung nur als Scheiben-Defroster ausgelegt ist und ein leichter Zug in der Kabine herrscht. Bodenwellen wurden schlecht ertragen, da das el laufend auf die eingebauten Gummipuffer aufschlug. Ebenfalls traten vorne recht starke Klackergeräusche auf.
Für mich stand fest, da muss sich einiges ändern. Beim durchstöbern des Internets fand ich einige gute Webseiten.
Demontage Haube und Dämmung mit Schaumstoff gegen Geklapper
Umrüstung auf 48 Volt. Die vierte Batterie fand ihren Platz im Gepäckraum. Der Originaltrafo wurde auf 48 Volt umgerüstet und alles mit einer herausnehmbaren Abdeckung überdeckt.
Der gesamte Innenraum inklusive Abdeckung wurde mit einer Teppichauskleidung versehen.
Im vorderen Bereich des Armaturenbrettes wurden zusätzlich zu den hinteren Lautsprechern kleinere Mitteltöner auf je einen Rundsockel montiert. Leider liessen sich die Spiegelklappen dadurch nicht mehr ganz öffnen.
Das Radiogerät fand seinen Platz stehend neben dem Fahrersitz in einer überzogenen Holzkonsole.
Das El wurde mit einer Rekuperation ausgerüstet, welche als Zubehör bei der Fa. EAT-Stoll bezogen werden kann. Diese Rekubox ist super vorkonfektioniert. Einen halben Tag Arbeit muss jedoch sicher eingerechnet werden. Diese Rekuperation funktioniert nur im Zusammenwirken des Compoundmotores. Bei höheren Fahrspannungen muss die Box den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. Herr Stoll richtet das jedoch super.
Zur optimalen Kontrolle der Fahrspannung und des momentanen Strombezuges wurde je ein digitales Instrument eingebaut.
Unter den Fahrersitz fanden zwei Stellpoti ihren Platz. Eines als herausgezogenes Dampfrad (maximal 30 bis 120 Ampere Strombezug einstellbar) und das andere zur stufenlosen Rekuperations-einstellung. Im Winter sollte die Rekuperation entweder ganz ausgeschaltet- oder die Rekustärke vermindert werden können.
Aus dem klapprigen, eher lahmen Fahrzeug wurde ein rassiges, angenehm anmutendes Wägelchen, welches seine Dienste im Nahverkehr nun sehr gut erfüllt. Die Federung ist immer noch recht hart, das Licht bei Nacht bedingt durch nur eine H4-Lampe etwas schwach und die Bodenhaltung auf Grund des schmalen Fahrwerks in den Kurven etwas gewöhnungsbedürftig.
Bei Betriebstemperaturen um 20°C und gedrosselter Strombegrenzung ca. 30 Ampere (zum Anfahren und in Steigungen muss die Begrenzung etwas hochgestellt werden), sind ansehnliche Fahrstrecken zu bewältigen. Meine maximale Fahrstrecke in der Ebene betrug knapp 90 Km bei durchschnittlich 40 Km/h. Im Winter und in hügligem Gebiet sinkt die Fahrdistanz erheblich. Generell ist das Fahrzeug zu lang übersetzt. Durch ein Übersetzungsverhältnis von ca. 9/1, könnte der Stromverbrauch sicher noch markant gesenkt werden. Da ich das el nur noch im engeren Nahverkehr einsetzen werde, verzichte ich auf weitere Umbauten.
Diagramm Strombezug
Strombezug aus der Batterie bei 48 Volt Betriebs-spannung
Im ersten Betriebsjahr wurden von mir 4'500 Km gefahren. Die Batterien wiesen noch keinerlei Abbau auf. Einmal pro Monat sollte der Wasserstand in den Batterien überprüft- und gegebenen Falls mit destilliertem Wasser nachgefüllt werden. Bei dieser Gelegenheit muss auch gleich der Reifendruck kontrolliert werden. Als idealer Reifendruck hat sich Vorne 3,3 bar und Hinten 3.8 bar erwiesen. Das Fahrwerk fühlt sich nicht allzu hart an und der Rollwiderstand hält sich in Grenzen. Als Alternative zu den offenen Säure-Bleibatterien, können auch wartungsfreie Bleibatterien eingesetzt werden. das Ladegerät muss dann allerdings auf die neuen Batterietypen abgestimmt, oder gleich durch ein leistungsfähigeres Gerät ersetzt werden.
Das Fahrzeug sollte einmal jährlich zum Service in eine el-Werkstatt gegeben werden. Ich lasse mein Fahrzeug bei der Fa. EAT Stoll http://www.eatstoll.ch/ mit Sitz in Ebikon und Hausen am Albis warten. Diese Adresse kann ich nur wärmstens empfehlen. Die Arbeiten werden sauber und ehrlich erledigt. Die Preise sind in Ordnung und der Service ist hervorragend. Herr Stoll wartet auch meinen PW.
Vorteile el
Relativ günstiger Preis
Bleibatterien haben kein Memoryeffekt (Kurzstreckenbetrieb möglich)
Relativ günstige Batteriepreise ca. 300 Fr. / Stück
Wenig Wartungsaufwand (offene Blei- Säurebatterien müssen jedoch gewartet werden)
Keine speziellen Kenntnisse für das Batteriehandling nötig
Kleine Abmessungen, darf auf Motorradparkplatz parkiert werden
Absolut Alltagstauglich. Ausgereifte Technik
Nachteile el
Relativ kurze Standzeit der Bleibatterien ca. 10'000 Km
Hohes Leergewicht (Bleibatterien sind schwer
Einplätzer, keine Mitfahrgelegenheit
Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Km/h (nur blaue Strecken)
Hartes Fahrwerk (Hinterräder schlagen schnell)
Stark seitenwindempfindlich (Vorderrad rutscht gerne weg)
Fazit
Das el leistet im Nahverkehr seine Dienste zuverlässig. Die Platzverhältnisse sind eher eng. Einpersonentransportmittel (ein Kind bis max. 36 Kg darf mit Kindersitz im Heckraum mittransportiert werden). Kurvenfahrten besser vorsichtig angehen. Das Fahrzeug lässt sich wie ein Automobil mit Automatikschaltung fahren und ist nicht sonderlich spektakulär. Die Gewichtsverteilung ist etwas hecklastig. Das Vorderrad rutscht bei nasser Strasse leicht weg. Durch die Montage der Zusatzbatterie im Führerraum, (z.B. längs unmittelbar nach der Vorderradaufhängung), könnte die Gewichtsverteilung sicher verbessert werden.Bei guter Pflege altern die el’s sehr wenig. Mein el mit Jahrgang 92 sieht noch fast aus wie neu.
Das Fahrzeug wurde im März 2003 verkauft. Der neue Besitzer kann es hinsichtlich Einsatzdistanz optimal einsetzen.